Bedürfnisgerecht wohnen und leben
Neue Wohnanlage in Neunkirchen eröffnet: Hier finden 28 schwerstbehinderte Menschen ein Zuhause
Zum dritten Mal innerhalb von knapp 15 Monaten waren gestern zahlreiche Gäste und auch einiges an politischer Prominenz in den Sinnerthaler Weg 9 nach Neunkirchen gekommen. Nach dem Spatenstich Mitte Juni 2004 und dem Richtfest im Januar diesen Jahres wurde nun die offizielle Eröffnung der neuen Wohnanlage für Schwerstbehinderte gefeiert.
Gisbert Latz, Geschäftsführer der reha gmbh, die auch die Wohnanlage Am Hüttenpark in direkter Nachbarschaft betreibt sowie eine weitere in Saarbrücken, freute sich in seinen Begrüßungsworten, dass alle wieder erschienen waren. Oberbürgermeister Friedrich Decker etwa, der ein Aquarell des Hüttenbergs als Geschenk mitgebracht hatte, oder Staatssekretärin Gaby Schäfer, die als Vorsitzende des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte von einem „großen Tag“ sprach. Ebenfalls wieder nach Neunkirchen gekommen war Sozialminister Josef Hecken. Er sagte über das „weit mehr“ als drei Millionen Euro teure Projekt: „Die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft kann nur gelingen, wenn vielschichtige Wohn- und Lebensbedingungen zur Verfügung gestellt werden, die auf die Bedürfnisse der Behinderten eingehen und ihnen ein weitestgehend selbstständiges Leben ermöglichen.“
21 der 28 Wohnungen sind seit der Fertigstellung Mitte Juli bereits belegt, 19 Mitarbeiter kümmern sich um die Bewohner, „es ist also schon ordentlich Leben im Haus“, berichtete Latz und erklärte zum Konzept: „Es soll sich ein ganz normales Nebeneinander wie in jedem normalen Wohnhaus entwickeln.“ Minister Hecken betonte gegenüber den anwesenden Eltern: „Sie können sicher sein, dass ihre Kinder hier in guten Händen sind. Was nicht heißt, dass sie in Watte gepackt werden, sondern, dass hier Profis arbeiten, die auch Freiheiten zum selbstbestimmten Leben lassen. Jeder soll die Hilfen bekommen, die seinem jeweiligen Fall angemessen sind.“ Oberstes Ziel sei es, so Hecken, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft zu integrieren und Ausgrenzungen zu vermeiden. Die von der reha angebotenen Beschäftigungs- und Therapiemöglichkeiten sowie die Nähe zur Innenstadt stellten einen wichtigen Schritt zur Integration dar, zumal neben sportlichen und kulturellen Aktivitäten auch Wochenend- und Ferienfreizeiten für die Bewohner angeboten würden. Eine betroffene Mutter, deren Sohn schon seit acht Jahren in einem Wohnheim lebt, machte den anderen Eltern, die zum Teil noch wenig Erfahrung haben, Mut: „Natürlich zweifelt man: Geht es meinem Kind gut? Habe ich mein Kind abgeschoben? Ich kann ihnen nur sagen, dass ich den Schritt bis heute nicht bereut habe. Ich weiß, dass mein Sohn gut behandelt und alles für sein Wohlergehen getan wird. Für ihn ist es wie ein zweites Zuhause.“ Zugleich aber mahnte sie zu Geduld: „Man muss dem Personal auch Zeit geben, den Menschen kennen zu lernen.“
Saarbrücker Zeitung vom 16.9.2005