Herzlich Willkommen im Arbeitsleben

 

 

 

...heißt es im ersten Brief, den man von der reha gmbh erhält, wenn man seinen beruflichen Werdegang hier beginnt. Für viele Schüler der Sonderschulen für körperbehinderte Menschen im Saarland ist das der Fall, denn die reha gmbh hat als Werkstatt für behinderte Menschen ( WfbM ) den Auftrag, im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik die berufliche Eingliederung für körperbehinderte Menschen zu ermöglichen. Annähernd 400 Menschen mit steigender Tendenz nutzen mittlerweile dieses Angebot.

Von der Schule in die WfbM

Entscheidungshilfen für die Auswahl der richtigen Einrichtung bieten die Berufsberater der Agenturen für Arbeit, die eng mit den Sonderschulen kooperieren und dort den Schülern und ihren Eltern persönliche Beratungsgespräche anbieten. Die meisten Schüler haben zu diesem Zeitpunkt bereits ein oder zwei Mal ein Praktikum in einer der über 600 Werkstätten in Deutschland absolviert und auf diesem Wege in den letzten beiden Schuljahren ins Arbeitsleben reingeschnuppert. Sie können sich selbst ein Bild machen, ob die WfbM ihr Weg ins Berufsleben sein wird oder ob andere Alternativen vorzuziehen sind.
Nachdem ein Fachausschuss, der mindestens aus Vertretern der WfbM, dem Berufsberater der Agentur für Arbeit und dem überörtlichen Sozialhilfeträger des jeweiligen Bundeslandes besteht, eine Empfehlung für die Aufnahme in die WfbM ausgesprochen hat, kann es losgehen.

Einstieg ins Arbeitsleben

Am Beginn steht eine dreimonatige Probezeit ( Eingangsverfahren ). Sie dient dazu, herauszufinden, ob die Entscheidung für die Werkstatt für behinderte Menschen richtig war oder ob es sinnvollere Alternativen ( z. B. Förderlehrgang oder Ausbildung in einem Berufsbildungswerk ) gibt. Im Eingliederungsplan, der nach drei Monaten erstellt wird, wird gemeinsam mit dem behinderten Menschen ein Plan erstellt, in dem der vorgesehene Weg der beruflichen Bildung beschrieben wird.

Anschließend folgt eine zweijährige Berufsbildungsmaßnahme, die meist in einem räumlich vom Rest der Werkstatt abgesonderten Berufsbildungsbereich ( BBB ) mit eigenen Fachkräften angeboten wird. Den Teilnehmern werden in dieser Zeit die Kompetenzen vermittelt, die sie benötigen, um die fachpraktischen und persönlichen Anforderungen in der Arbeitswelt innerhalb und außerhalb der WfbM zu meistern. Ein anerkannter Berufsabschluss steht nicht am Ende einer Berufsbildungsmaßnahme. Es geht vielmehr darum, sich ein Sprungbrett für den Einstieg in den Arbeitsbereich der WfbM oder den 1. Arbeitsmarkt zu schaffen.

Fast alles ist möglich


Der Arbeitsbereich bietet unter der Anleitung von Fachkräften einen dauerhaften Arbeitsplatz, der den jeweiligen Möglichkeiten angepasst ist. Dafür zahlt die WfbM ein leistungsorientiertes Entgelt und versichert die Mitarbeiter in allen Zweigen der Sozialversicherung.
Die Beschäftigungsmöglichkeiten in den Arbeitsbereichen der Werkstätten spiegeln fast die gesamte Arbeitswelt unserer Republik wider. Traditionell sind die handwerklichen Bereiche wie Schlosserei, Schreinerei und Elektromontage vertreten neben Gruppen, in denen Waren abgefüllt oder verpackt werden, die sich dann im Geschäft oder im Baumarkt in den Regalen wieder finden. Zunehmend ist es aber auch möglich, im Rahmen der WfbM im landwirtschaftlichen Bereich zu arbeiten, eigenes kaufmännisches Wissen in den Verwaltungen der Werkstätten einzusetzen oder in angegliederten Hotels die im Bereich Hauswirtschaft erworbenen Kenntnisse umzusetzen. Dass heute fast alles möglich ist, sieht man daran, dass Werkstattmitarbeiter etwa in Hamburg das Museum für Arbeit betreiben und in Mecklenburg ( Neustrelitz ) einen ganzen Zoo mit allen beruflichen Tätigkeiten, die dort anfallen.


reha gmbh - Werkstatt für körperbehinderte Menschen im Saarland

Die Tätigkeitsfelder, in denen vorwiegend körperbehinderte Menschen in der reha gmbh zum Einsatz kommen, sind Druck, Marketing und Logistik ( Versenden von Brief- und Paketpost ), Datenverarbeitung und Verwaltung. Dazu kommt ein Standort, in dem kunsthandwerkliche Artikel hergestellt werden. Der Werdegang der behinderten Menschen vor dem Eintritt unterscheidet sich von dem der meisten anderen WfbM. Neben jungen Menschen, die von Geburt an beeinträchtigt sind und nahtlos nach dem Schulabschluss ihr Berufsleben in der reha gmbh beginnen, suchen und finden auch Menschen mit beruflichen Vorerfahrungen hier einen Platz im Arbeitsleben. Zahlreiche Absolventen von beruflichen Fördermaßnahmen und Ausbildungen in Berufsförderungswerken, die trotzt ihrer Qualifikation auf Grund einer schwerwiegenden Körperbehinderung keine Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt finden, können ihre erlernten Kenntnisse berufsnah anwenden. Opfer von Unfällen oder traumatischen Erkrankungen suchen nach der medizinischen Rehabilitation einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben und bringen ihre Erfahrungen mit.


Service wird groß geschrieben

Wer Hilfen beim Frühstück oder Mittagessen benötigt, wie das bei zahlreichen reha - Mitarbeitern mit spastischen Lähmungen, Halbseitenlähmungen oder ähnlichen Einschränkungen der Fall ist, erhält von Zivildienstleistenden oder den Fachkräften die gewünschte Unterstützung. Die gleichen Hilfskräfte stehen zur Verfügung, wenn Hilfestellungen bei der Körperhygiene vonnöten sind.


Flexible Beschäftigungszeit ist möglich

Einmalig in den Werkstätten für behinderte Menschen dürfte die Umsetzung einer Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungszeit der Mitarbeiter sein. Der Werkstattrat - die gewählten Vertreter der Mitarbeiterinteressen - und die Geschäftsführung haben ein teilflexibles Arbeitszeitmodell vereinbart, nach dem es möglich ist, bei Bedarf länger zu arbeiten oder auch mal früher zu gehen, wenn nicht so viel zu tun ist. Die Beschäftigungszeit wird elektronisch gemessen und alle können jederzeit an den „Zeiterfassungsterminals" nachsehen, wie viel Urlaub sie noch haben oder ob sie im Gleitzeitrahmen Plus- oder Minusstunden haben.


Entgrenzte berufliche Bildung

Die im Vergleich zu anderen WfbM weitergehenden Vorkenntnisse ermöglichen der reha gmbh auch ein anderes Konzept in der beruflichen Bildung.

In der reha gmbh gibt es keine speziellen Räume oder Abteilungen, in denen gelernt wird. Berufliche Bildung ist überall dort, wo Mitarbeiter der reha gmbh tätig sind. Das ganze Unternehmen mit seinen vielfältigen Tätigkeitsfeldern ist eine einzige große Übungsfirma.

In der reha gmbh gibt es keine Spezialisten mit der Aufgabenstellung Berufliche Bildung, die nicht mit der Produktion oder Dienstleistungen in Verbindung stehen. Alle Fachkräfte, die in der Anleitung behinderter Menschen am Arbeitsplatz tätig sind, haben die Aufgabe, mit den Teilnehmern im Eingangsverfahren und im BBB deren berufliche Perspektive zu entwickeln.

In der reha gmbh gibt es auch keine zeitliche Begrenzung der Beruflichen Bildung auf die befristete Zugehörigkeit zum Berufsbildungsbereich. Auch die Mitarbeiter im Arbeitsbereich können dauerhaft alle Angebote der Beruflichen Bildung nutzen.


Lernen in der Live - Situation

Fachpraktische und soziale Kompetenzen werden vom ersten Tag der Zugehörigkeit zum Eingangsverfahren und zum BBB an in der Live - Situation der Auftragsabwicklung vermittelt. Die Einarbeitung geschieht auf diesem Weg nicht nur durch die Gruppenleiter sondern parallel dazu und ebenso wichtig durch die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die bereits länger hier beschäftigt sind und ihre erworbenen Kompetenzen weitergeben.


Individuelle Wege gehen

Arbeitserprobungen in den 25 Arbeitsbereichen, die über die vier Standorte der reha gmbh im Saarland verteilt sind, ermöglichen es, sich eigener Stärken bewusst zu werden. Mit Hilfe der Fachkräfte wird auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse die eigene berufliche Perspektive innerhalb der reha gmbh oder über die Grenzen der WfbM hinaus in Richtung 1. Arbeitsmarkt entwickelt. Mit jedem Teilnehmer wird ein einzigartiger und neuer Weg der beruflichen Bildung beschritten.


Berufsbegleitende Angebote richten sich nach dem Bedarf

Berufsbegleitende Angebote zur Erweiterung der beruflichen Kompetenz ergänzen die Vermittlung fachpraktischer Kenntnisse. Es werden Schlüsselqualifikationen wie PC - Kenntnisse, ein sinnvoller Umgang mit dem Internet oder der Umgang mit sozialen Konfliktsituationen vermittelt. Andere Angebote wie der Betriebssport, das Projekt Ökopädagogik oder die Zusammenarbeit mit dem Staatstheater in den Sparten Ballett und Schauspiel dienen der Förderung der Persönlichkeit der Teilnehmer. Sie finden punktuell Platz während der Beschäftigungszeit und dienen zur Aktivierung eigener Initiativen nach Feierabend. Die Angebote basieren auf den Wünschen der Teilnehmer, die sie in Reflexionsgesprächen mit den Fachkräften oder in einer Mitarbeiterbefragung äußern.


Was können wir für Sie tun?

Berufliche Bildung ist in der reha gmbh eine Frage der Kommunikation. Die behinderten Menschen, die zur reha gmbh kommen, sagen, wofür sie motiviert sind und was sie für ihr persönliches und berufliches Weiterkommen wichtig finden. Jeder hat dazu Gelegenheit in Orientierungs - und Reflexionsgesprächen mit den Fachkräften der beruflichen Bildung, wenn es um seinen persönlichen Weg geht.
Aus den ausführlichen Mitarbeiterbefragungen alle zwei Jahre, deren Ergebnisse ausgewertet und intensiv im Unternehmen diskutiert werden, ergeben sich Trends und Anregungen. In der Folge werden neue Angebote geschaffen ( Internet - Führerschein ) oder andere heruntergefahren, für die kein Bedarf mehr besteht.


Wege auf den Arbeitsmarkt

Mitarbeiter, für die die reha gmbh eher ein Sprungbrett für den Weg auf den 1. Arbeitsmarkt als Dauerarbeitsplatz ist, haben die Möglichkeit, im Rahmen einer betriebsintegrierten Arbeitsgruppe im saarländischen Unternehmen kohlpharma zu arbeiten. Angeleitet und koordiniert von einer Fachkraft der reha gmbh sind neun Mitarbeiter dort im Bereich der Umverpackung von aus dem europäischen Ausland importierten Medikamenten tätig. Ihr Vorteil: Obwohl eine Vermittlung auf den Arbeitsmarkt für sie noch nicht möglich ist, arbeiten sie als Kollegen in einem Betrieb des 1. Arbeitsmarktes vollkommen integriert mit. Gleichzeitig kommen sie in den Genuss der sozialrechtlichen Vorteile einer Beschäftigung im Arbeitsbereich der WfbM.


9 Prozent wollen auf den Arbeitsmarkt

Aus zwei Mitarbeiterbefragungen ist bekannt, dass seit drei Jahren konstant 9 % der behinderten Menschen im Berufsbildungs- und Arbeitsbereich der reha gmbh ihre berufliche Zukunft auf dem 1. Arbeitsmarkt sehen. Sie werden von einer Fachkraft für betriebliche Integration ( FbI ) unterstützt, damit es nicht beim Wunsch bleibt. Die Fachkraft, die fest im Team der WfbM verankert und für alle behinderten Mitarbeiter präsent ist, hat ein breites Repertoire an Maßnahmen zur Verfügung. Vom Beratungsgespräch über die betriebsinterne Schulung bis zur Vorbereitung von Betriebspraktika und die intensive Beratung potentieller Arbeitgeber reichen ihre Möglichkeiten. Das Angebot einer dauerhaften Nachbetreuung für die vermittelten Mitarbeiter ist inbegriffen. In den letzten Jahren ist das Projekt FbI in der reha gmbh eine Erfolgsgeschichte. Gemessen an der Zahl der Neuaufnahmen lag die Vermittlungsquote zuletzt bei 6 - 8 Prozent.


Stillstand ist Rückschritt

Offenheit gegenüber den Chancen, die sich durch Kontakte mit der Wirtschaft ergeben, ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Beschäftigungsangebotes der reha gmbh. Wer weiß heute schon, welche Jobs sich morgen bieten?
Gleichzeitig werden die sich verändernden Wünsche und Erwartungen der behinderten Menschen in der WfbM zur Weiterentwicklung des Konzeptes der beruflichen Bildung genutzt. Sie sind die entscheidenden Experten für diesen Bereich.
Vieles ist weiter in Bewegung.

 

 

 

 

Informationen zum Thema:

Thomas Rinke
Diplom - Pädagoge
Leiter des MitarbeiterService der reha gmbh
Am Langfeld 30
66130 Saarbrücken - Güdingen

Tel: 0681 - 883960
www.thomasrinke@reha-marketing.de