reha gmbh will Supermarkt in Alt-Saarbrücken übernehmen

 

Saarbrücker Zeitung, 1. März 2007 

 

Damit hatte keiner gerechnet: Mitten in der hitzigen Debatte um den Supermarktstandort Françoisstraße erklärte reha gmbh-Geschäftsführer Rainer Blum, dass seine Firma dort einen Markt eröffnen will.  

 

Die Alt-Saarbrücker, die zwischen Deutschherrnund Heuduckstraße leben, dürfen hoffen. Denn die reha gmbh will einen CAP-Einkaufsmarkt in Saarbrücken einrichten. Einen solchen Markt, der von Menschen mit und ohne Behinderung betrieben wird, gibt es derzeit 45mal in Deutschland. Vielleicht kann die reha damit die Versorgungslücke schließen, die der Lidl-Markt an der Alt-Saarbrücker Françoisstraße hinterlassen hat (wir berichteten mehrfach).

 

Mit dieser Nachricht überraschte reha-Geschäftsführer Rainer Blum am Dienstag bei einer Bürgerversammlung, zu der das Stadtteilforum Alt-Saarbrücken ins GustavAdolf-Haus eingeladen hatte. Die Stühle im Saal waren pünktlich zum Veranstaltungsbeginn besetzt, es mussten sogar noch zusätzliche Stühle beigeschafft werden, ehe Thomas Hippchen, der Leiter des Stadtteilbüros, zurückblickte, wie sich dieser Teil Alt-Saarbrückens entwickelt hatte. „Die Deutschherrnstraße war einmal ein florierendes Nebenzentrum mit einem bunten Branchenmix", erklärte er.

Im Laufe der Zeit seien aber immer mehr Geschäfte verschwunden, zuletzt die Lidl-Filiale an der Françoisstraße. Monika Kunz, die Leiterin des Stadtplanungsamtes erklärte, warum ihr Amt einen größeren Einkaufsmarkt an dieser Stelle nicht genehmigen kann. Kern des Problems sei ein Lärmgutachten, das besagt, ein neuer, größerer Markt, wie ihn Lidl bauen wollte, sei zu laut. Da konnten die knapp 100 betroffenen Alt-Saarbrücker im Gustav-Adolf-Haus noch so oft betonen, der Lärm sei ihnen egal, Hauptsache sie können einkaufen. Denn wenn nur einer ihrer Nachbarn dagegen ist und klagt, sei das Bauvorhaben erledigt.

 

Nur im Rahmen des Bestandsschutzes, also wenn ein neuer Betreiber in das bestehende Gebäude einzieht, sei eine Genehmigung möglich. Es hagelte Vorwürfe an die Stadtverwaltung. „Die Stadt hat nicht alle in Frage kommenden Betreiber abgeklappert", meinte Manfred Klasen von der WASG. Der Grünen-Stadtverordnete Guido Vogel warf der Verwaltung vor: „Sie ist jetzt da, wo sie hinwollte, sie will an dieser Stelle Wohnen etablieren." Eine Änderung des Bebauungsplanes weg vom reinen Wohngebiet, „könnte aber Schadenersatzansprüche der Grundstückseigentümer nach sich ziehen", warf Siegfried Neuschwander (FDP) ein.

 

Eine solche Änderung ist aber wohl nötig, denn die reha gmbh will den bestehenden Markt von 300 auf 400 Quadratmeter vergrößern.

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Saarbrücker Zeitung, 3. März 2007

 

Neuer Markt für Alt-Saarbrücker


Die reha gmbh will in der Deutschherrnstraße einen Lebensmittelladen eröffnen Der Lidl-Markt in der Françoisstraße bleibt geschlossen, aber in der Deutschherrnstraße soll es bald Ersatz geben: „CAP - der Lebensmittelpunkt" heißt der Laden, den die reha gmbh nach den Sommerferien öffnen will.
Von SZ-Mitarbeiter Andreas Lang

Alt-Saarbrücken:. Rund 100 Alt-Saarbrücker machten am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung ihres Stadtteilbüros ihrem Ärger Luft. Sie sind wütend, weil der beliebte Lidl-Einkaufsmarkt an der Françoisstraße aus Lärmschutzgründen doch nicht erweitern darf und geschlossen bleibt. Die Nahversorgungslücke, die das Lebensmittelgeschäft hinterlässt, will jetzt die reha gmbh schließen, die zusammen mit der Stiftung „Rückhalt" Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne körperlicher Behinderung schaffen will (wir berichteten).
Nachdem reha gmbh-Geschäftsführer Reiner Blum jetzt Gespräche mit der Stadt geführt hat, ist klar, dass der Laden an der Françoisstraße zu bleibt. Die reha gmbh will ihren CAP-Markt jetzt in einem etwa 450 Quadratmeter großen, derzeit leer stehenden Ladenlokal in der Deutschherrnstraße eröffnen. „Das Genehmigungsverfahren für die Françoisstraße dauert ganz einfach zu lange, und die Räume in der Deutschherrnstraße eignen sich gut", sagt Blum. Zwar gibt es dort nur Kurzzeitparkplätze entlang der Straße. „Unsere Zielgruppe sind aber sowieso eher die, die zu Fuß einkaufen", ergänzt er.
Auf einer Verkaufsfläche von 400 bis 1500 Quadratmetern bieten diese Märkte zirka 7000 Artikel wie Gemüse, Obst und Fleisch an. Der Frischeanteil beträgt 40 Prozent. Im Markt würden vier Saarbrücker ohne Behinderung Arbeit finden, und weiter würden sechs bis acht Mitarbeiter mit Behinderung eingestellt. Denn Ziel der in Saarbrücken beteiligten Stiftung „Rückhalt" ist die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit körperlicher Behinderung - wie in der reha Druckerei. So würde der CAP-Markt auch Zuschüsse des Integrationsamtes, der Aktion Mensch und der Agentur für Arbeit erhalten. Einen Überschuss erwartet Blum nicht, er sagt aber auch: „Wenn wir das Jahr mit einer schwarzen Null abschließen, sind wir zufrieden." „Nach den Sommerferien könnten wir dann eventuell den ersten Saarbrücker CAP-Markt eröffnen", hofft Blum.

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